Waffen
- ⚔️KettensägeLEG.
- ⚾NagelkeuleSELTEN
- 🧹BesenNORMAL
Kana hat mit Sicherheit sagen können, wo's angfangen hat. Manche haben von einer toten Ratte in den Tunneln unter'm Stephansplatz gredt. Andere haben auf an Container ohne Markierung am Flughafen Wien-Schwechat zeigt, an dem Flughafen, der wo schon im normalen Betrieb a Katastrophe is und im Untergang erst recht. A paar Wenige haben von am Labor in Klosterneuburg geflüstert, dessen Notfrequenz in der Nacht vom 12. März verstummt is und nie wieder gesendet hat. Worüber sich alle einig san: Es is an am Dienstag losgangen, mitten im Berufsverkehr.
„Als die Nacht hereinbrach, leuchtete die Hofburg noch, vergoldete eine Stadt, in der nichts Lebendiges mehr war. Die Kärntner Straße, verlassen, übersät mit umgestoßenen Kinderwagen und liegengelassenen Sacher-Schachteln. Und in der Dunkelheit, hatte sie Hunger."
Vom Katana bis Billy der Puppe. Vom Kampfpanzer bis zum Gartenzwerg. Jeder Überlebende trägt 3 Gegenstände: wähle weise. Schalte neue Ausrüstung frei, wenn du Erfahrung sammelst.
Mahlzeiten werden zu Kunstwerken. Die Team-Moral fällt nie unter 60%.
Teams, die noch Informationen aus der alten Welt haben, halten länger durch. Melde dich an, um den permanenten Bonus zu aktivieren.
Die Krone erzwingt Respekt selbst im Chaos. Der Anführer strahlt Würde aus, niemand widerspricht.
▌ VON 0 BIS 1200+ · VON „ZOMBIE-FUTTER" ZUM „GOTT-MODUS"
Starte die Simulation. Finde deinen Überlebens-Score heraus. Teile dein Team. Jede Entscheidung zählt. Jeder Tag bringt dich näher an den GOTT-MODUS — oder den Tod.
▌ 4 Übertragungen zu lesen, bevor du dein Team zusammenstellst
Die ersten Fälle san in der Station Praterstern aufgetaucht. Pendler, die aus der U1 herausgetaumelt san, aschgrau im Gsicht, die am Bahnsteig zambrochen san, bevor sie sich mit einer mechanischen Langsamkeit wieder aufgricht haben, glasige Augen, hängender Kiefer, Finger, die zuckt haben wie die Fäden von kaputten Marionetten. Die Polizisten von der Inspektion am Praterstern haben zuerst an a Überdosis dacht. Dort drüben, zwischen dem Würstelstand und den Obdachlosen, war des ja nix Neues. Dann haben die Bisse angfangen.
Innerhalb von zwei Stunden hat sich die Wiener U-Bahn, fünf Linien, 98 Stationen, das ganze stolze Netz einer Stadt, die immer glaubt hat, dass ihr nix passieren kann, weil's ja Wien is, in a Schlachthaus verwandelt. Die U3, die orangene Linie, die sich vom Westbahnhof durch die ganze Innenstadt bis nach Simmering zieht, is zur Todesfalle worden: vollgestopfte Züge san weitergefahren, Türen haben geklemmt, Schreie san erstorben, Wagon für Wagon, Station für Station. Am Knotenpunkt Karlsplatz, dort, wo sich die Linien kreuzen wie die Nervenstränge einer Stadt, direkt unter der goldenen Kuppel der Secession, unter Klimts Beethovenfries, unter diesen Frauen aus Gold und Sehnsucht, haben sich Tausende zwischen den Rolltreppen und der grauen Flut gedrängt, die aus den Schächten quollen is. Klimt hätt's vielleicht sogar schön gfunden. Schiele sicher.
An der Oberfläche hat Wien net sofort begriffen. Auf dem Graben haben die Touristen noch Einspänner und Melange getrunken und sich überlegt, ob's ins Café Central oder zum Demel gehen, als die ersten Infizierten aus den Lüftungsgittern in der Kärntner Straße gekrochen san, stolpernd im Nachmittagslicht, vorbei an den Schaufenstern, in denen Sacher-Torten auf Porzellan gestanden san wie Reliquien einer sterbenden Zivilisation. Die Leute haben gefilmt. Natürlich haben's gefilmt. Des Video von am Typen in Lederhosen, a Tourist, kein echter Wiener, das muss man schon festhalten, der am Würstelstand bei der Oper einer alten Dame ins Genick gebissen hat, is viral gangen: dreiundzwanzig Millionen Aufrufe, bevor das Internet zusammenbrochen is. Die Dame hat übrigens noch im Fallen ihr Sackerl mit Manner-Schnitten festgehalten. Wien halt.
Der Bürgermeister hat um 18:47 Uhr eine Pressekonferenz im Rathaus gegeben. Des Rathaus, diese neugotische Fantasie am Ring, die wo aussieht wie a Kathedrale, die sich als Verwaltungsgebäude verkleidet hat. Um 19:15 war des Rathaus dunkel. Um 20:02 hat in der Rossauer Kaserne, beim Bundesministerium für Inneres, niemand mehr abgehoben. Der Schmäh war aus. Endgültig.
Das Bundesheer hat versucht, an Perimeter entlang der Ringstraße zu errichten, jener Boulevard, den Kaiser Franz Joseph höchstpersönlich über die geschleiften Stadtmauern legen hat lassen, als Monument seiner eigenen Großartigkeit. Oper, Parlament, Burgtheater, Universität, Kunsthistorisches Museum, die ganze imperiale Pracht, aufgereiht wie Torten auf am Silbertablett. Oba Wien is net a Stadt, die man einfach absperren kann. Die Habsburger haben's mit Mauern probiert, die Osmanen mit einer Belagerung, die Nazis mit Panzern, und am End is Wien immer durchlässig geblieben. Jeder Innenhof, jede Durchfahrt, jeder Stiegenaufgang in einem Gründerzeithaus war a Bresche. Hubschrauber san über dem Stephansdom gekreist und haben Evakuierungsanweisungen rausgebrüllt, die niemand mehr gehört hat, übertönt vom Krachen der berstenden Schaufenster, den Sirenen der Rettung, den Autoalarmanlagen, und überall diesem dumpfen, kollektiven Stöhnen, das aus den Gassen aufgstiegen is wie der Atem einer Stadt, die zum ersten Mal in ihrem Leben kan Schmäh mehr gehabt hat.
Der Prater is als Erstes gfallen. Die Hauptallee, diese vier Kilometer lange Kastanienallee, wo schon der junge Strauss spaziert is und wo im Frühling die Wiener so tun, als wär das Leben schön, jetzt a Spalier von Schatten, die zwischen den Bäumen hervorgetorkelt san. Und über allem: das Riesenrad. Genau des Riesenrad, in dem Harry Lime bei Graham Greene und Orson Welles oben gestanden is und auf die Menschen runtergeschaut hat wie auf Punkte und gfragt hat, ob's wen kümmern würd, wenn einer von diesen Punkten aufhört sich zu bewegen. Jetzt haben die Punkte aufgehört sich zu bewegen. Und haben wieder angfangen. Das Riesenrad hat sich noch immer gedreht, langsam, leer, Gondel für Gondel, durch a Nacht, die nach Rauch und nach Blut gerochen hat.
In Ottakring haben die Leute in den Gemeindebauten die Stiegenhäuser verbarrikadiert. Im Karl-Marx-Hof, diesem tausendzweihundert Meter langen Monument des Roten Wien, der einmal die längste Wohnanlage der Welt war und im Bürgerkrieg 34 schon amol belagert worden is, haben sie sich wieder verschanzt. Die Geschichte wiederholt sich in Wien net als Farce. Sie wiederholt sich als Alptraum.
In der Staatsoper, dem Haus, des die Wiener nach'm Krieg vor allem anderen wieder aufgebaut haben, noch vor den Wohnungen, noch vor den Spitälern, weil Wien halt Wien is, is die Vorstellung von Don Giovanni mittendrin abbrochen. Mozart, der wo in dieser Stadt gelebt, komponiert und in einem Armengrab verscharrt worden is, hätt die Ironie verstanden: der steinerne Gast erscheint zum Abendessen, und diesmal bleibt er.
Am Zentralfriedhof, diesem prachtvollen Friedhof, wo Beethoven, Brahms, Schubert und Strauss begraben liegen, wo die Wiener ihre Toten immer besser behandelt haben als ihre Lebenden, hat sich etwas gerührt. Die Ehrengräber haben natürlich nicht aufgemacht, des wär zu viel verlangt. Aber über die endlosen Alleen zwischen den Grabsteinen san Gestalten geschlurft, die von woanders gekommen san, angezogen vom letzten Ort der Stadt, an dem's noch still war. Weil der Tod in Wien immer scho a gute Adresse war.
Bei Einbruch der Nacht hat der Stephansdom noch immer über der Stadt geragt. Sein Dach, dieses irrsinnige Mosaik aus glasierten Ziegeln mit dem Doppeladler der Habsburger, hat im Mondlicht geschimmert, über einer Stadt, die net mehr geantwortet hat. Am Heldenplatz, dort, wo Prinz Eugen in Bronze auf seinem Pferd sitzt, dort, wo 1938 Hunderttausende dem Wahnsinn zugejubelt haben, war es still. Stiller als Wien je war. Und dann, ganz leise, aus allen Gassen gleichzeitig: das Schlurfen.
Wien. Die Stadt der Musik, der Kaffeehäuser, der Mehlspeisen und des Todes. Die Stadt, die den Untergang immer scho als ästhetisches Ereignis inszeniert hat, von Mayerling bis Mahler, von Schnitzler bis Bernhard, der wo geschrieben hat, dass Wien eine Todesmaschine is. Er hat's als Metapher gemeint.
Er hat sich geirrt.
Und in der Stille zwischen den Palais und den Gemeindebauten, irgendwo in diesem Museum von einer Stadt, das sich immer eingredt hat, dass des Schöne und des Morbide zwei Seiten von derselben Medaille san, haben zwei Millionen Münder sich geöffnet. Net zum Reden. Net zum Schreien. Net zum Granteln. Zum Fressen.